Baukosten
Kostenanschlag nach DIN 276: Vergabe, Aufbau und Abgrenzung

Was ein Kostenanschlag nach DIN 276 leistet, wie er aus Angeboten entsteht und worin er sich von Kostenschätzung und Kostenberechnung unterscheidet.
Aktualisiert am 10. Mai 2026
Einleitung
Nach der frühen Kostenschätzung wird ein Bauprojekt nicht automatisch kostensicher. Erst mit dem Kostenanschlag rücken die Zahlen nah an den realen Markt: Angebote liegen vor, erste Aufträge werden erteilt, einzelne Vergabeeinheiten lassen sich sauber bewerten. Genau deshalb ist der Kostenanschlag eine der wichtigsten Brücken zwischen Planung und Ausführung.
Für Bauherrn, Architekturbüros und Projektsteuerung ist das der Moment, in dem aus Annahmen ein belastbarer Kostenstand wird. Der Kostenanschlag zeigt nicht mehr nur, was ein Projekt ungefähr kosten könnte, sondern was sich aus Vergabe und Ausführung bereits konkret abzeichnet.
Was der Kostenanschlag im Bauprojekt leistet
Die DIN 276 definiert den Kostenanschlag als Ermittlung der Kosten auf Grundlage von Vergabe und Ausführung. Er dient den Entscheidungen über die Vergaben und die Ausführung und wird nicht nur einmal erstellt, sondern im Projektablauf in mehreren Schritten fortgeschrieben. Grundlage ist jeweils der aktuelle Kostenstand aus Angebot, Auftrag oder Abrechnung.
Damit liegt der Kostenanschlag näher an den späteren Ist-Kosten als frühere Kostenermittlungen. Er ist aber trotzdem noch nicht die Endabrechnung. Die endgültigen entstandenen Kosten weist erst die Kostenfeststellung nach.
Abgrenzung zu Kostenschätzung, Kostenberechnung und Kostenvoranschlag
Die Stufen der DIN 276 bauen logisch aufeinander auf: Die Kostenschätzung entsteht auf Grundlage der Vorplanung und arbeitet in der zweiten Ebene der Kostengliederung. Die Kostenberechnung folgt auf Basis der Entwurfsplanung und geht bis in die dritte Ebene. Der Kostenvoranschlag gehört dann zur Ausführungsplanung und Vorbereitung der Vergabe. Erst danach kommt der Kostenanschlag, der die Kosten nach den festgelegten Vergabeeinheiten aus Vergabe und Ausführung zusammenstellt.
Wichtig ist dabei die Begriffsverschiebung seit DIN 276:2018-12. Der heutige Kostenvoranschlag entspricht inhaltlich weitgehend dem früheren „Kostenanschlag“ der älteren DIN-Fassung. Der heutige Kostenanschlag setzt also eine Stufe später an und bezieht sich ausdrücklich auf Vergabe und Ausführung.
So entsteht der Kostenanschlag in der Vergabe
In der HOAI liegen die entscheidenden Schritte in der Leistungsphase 7. Dort werden Angebote eingeholt, geprüft und gewertet, Preisspiegel erstellt, Bietergespräche geführt, Vergabevorschläge dokumentiert und die Ausschreibungsergebnisse mit den bepreisten Leistungsverzeichnissen oder der Kostenberechnung verglichen. Daraus entsteht der belastbare Übergang von der geplanten zur vergebenen Kostenwelt.
Für einzelne Fachplanungen nennt die HOAI zusätzlich ausdrücklich das Mitwirken beim Kostenanschlag nach DIN 276 oder nach anderen Vorgaben des Auftraggebers aus Einheitspreisen oder Pauschalangeboten. Das zeigt: Der Kostenanschlag ist kein bloßer Nebenoutput, sondern ein echtes Steuerungsinstrument der Vergabe.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Gesamtsumme. Die DIN 276 verlangt, dass die Kosten nach den Vergabeeinheiten zusammengestellt und geordnet werden, die zuvor im Kostenvoranschlag für das Bauprojekt festgelegt wurden. Nur so lassen sich Angebote, Aufträge, Nachträge und spätere Abrechnungen sinnvoll vergleichen.
Welche Rolle der Kostenanschlag für die Kostenkontrolle spielt
Ein guter Kostenanschlag ist mehr als eine Liste vergebener Leistungen. Er schafft die Vergleichsbasis zwischen dem, was geplant war, und dem, was der Markt tatsächlich verlangt. Genau deshalb sieht die HOAI bereits vor der Vergabe den Vergleich der bepreisten Leistungsverzeichnisse mit der Kostenberechnung und während der Vergabe den Vergleich der Ausschreibungsergebnisse mit diesen Werten vor.
Für die spätere Bauabwicklung ist das entscheidend. In der Objektüberwachung werden Leistungsabrechnungen der ausführenden Unternehmen mit Vertragspreisen und Kostenanschlag verglichen. Wer den Kostenanschlag sauber aufbaut, erleichtert also nicht nur die Vergabe, sondern auch die spätere Kostenkontrolle und die Nachvollziehbarkeit von Nachträgen.
Welche Inhalte in einen guten Kostenanschlag gehören
Die DIN 276 verlangt bei Kostenermittlungen vollständige Erfassung und Dokumentation der Gesamtkosten. Wenn Teile nicht erfasst werden können, müssen diese Lücken kenntlich gemacht werden. Außerdem sollen der Kostenstand zum Zeitpunkt der Ermittlung sowie die der Kostenermittlung zugrunde liegenden Unterlagen und Informationen angegeben werden.
Daraus folgt für die Praxis: Ein belastbarer Kostenanschlag braucht einen klaren Bearbeitungsstand, einen eindeutig benannten Kostenstand, die Zuordnung zu Vergabeeinheiten, die Verbindung zur DIN-276-Struktur und eine transparente Kennzeichnung offener oder noch nicht vergebener Pakete. Nur so bleibt später nachvollziehbar, ob eine Abweichung aus Marktpreisen, Planänderungen oder fehlenden Vergaben entstanden ist.
Wichtig ist auch, keine stillen Zukunftsannahmen einzubauen. DIN-konforme Kostenermittlungen beziehen sich auf den Kostenstand zum Zeitpunkt der Ermittlung. Prognosen zu zukünftigen Vergabeergebnissen oder voraussichtlich endgültigen Abrechnungssummen sind eine zusätzliche Leistung und müssen gesondert ausgewiesen und mit Annahmen hinterlegt werden.
Typische Fehler beim Kostenanschlag
Ein häufiger Fehler ist, den Kostenanschlag wie eine bloße Aktualisierung der Kostenberechnung zu behandeln. Das greift zu kurz. Sobald Vergaben anlaufen, muss die Sicht auf Vergabeeinheiten umgestellt werden. Wer nur Kostengruppen fortschreibt, aber keine saubere Zuordnung zu Angeboten, Aufträgen und späteren Abrechnungen schafft, verliert die wichtigste Kontrollfunktion des Kostenanschlags.
Ebenso problematisch ist ein unklarer Kostenstand. Wenn nicht ersichtlich ist, welche Pakete nur angeboten, welche bereits beauftragt und welche schon abgerechnet sind, wirkt der Kostenanschlag belastbarer, als er tatsächlich ist. Das gleiche gilt für nicht gekennzeichnete Lücken oder für eingerechnete Preisprognosen, die nicht als Prognosen ausgewiesen werden.
Ein dritter Fehler ist die falsche Erwartungshaltung. Der Kostenanschlag ist sehr nah an der Marktrealität, aber er bleibt ein laufender Projektstand. Nachträge, geänderte Leistungen oder noch offene Vergaben können ihn weiterhin verändern. Endgültig wird das Bild erst mit der Kostenfeststellung.
Fazit
Der Kostenanschlag nach DIN 276 ist der Punkt, an dem Baukosten aus der Planung in die reale Vergabe- und Ausführungswelt übergehen. Er baut auf aktuellen Angebots-, Auftrags- und Abrechnungsständen auf, wird in mehreren Schritten fortgeschrieben und ordnet die Kosten nach den festgelegten Vergabeeinheiten. Genau das macht ihn für Vergabe, Kostenkontrolle und spätere Nachvollziehbarkeit so wichtig.
Wer den Kostenanschlag sauber von Kostenschätzung, Kostenberechnung und Kostenvoranschlag trennt, vermeidet typische Missverständnisse. Und wer Kostenstand, Vergabeeinheiten, offene Pakete und Annahmen klar dokumentiert, hat nicht nur bessere Zahlen, sondern auch die deutlich bessere Grundlage für belastbares Projektcontrolling.